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Fremde Heimat Kirche

Fremde Heimat  Kirche
Fremde Heimat  Kirche
Foto: Ulrike Leone auf pixabay

Im Rahmen des 50-jährigen Bestehens der Stadt Lahnstein hatten die evangelischen und katholischen Kirchen Lahnsteins zu einem besonderen Austausch eingeladen. Als Einstieg in den Abend wurde ein Kurzfilm gezeigt, der anlässlich des Kinder- und Jugendtages aufgenommen wurde, in dem Lahnsteiner Bürger und Bürgerinnen in persönlichen Statements zu Wort kamen. Einige  Befragten äußerten sich sehr offen zu den Fragen und standen sehr kritisch der Frage gegenüber, ob Kirche eine Heimat bieten kann. Diese Fragen wurden in der Podiumsdiskussion unter Moderation von Christoph Matern, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Nassauer Land gern aufgenommen.  Menschen unterschiedlicher Herkunft und Profession hatten sich auf dem Podium versammelt. Hannele Hammaberg mit finnischem Hintergrund, Manfred Steiger, zuletzt Pastoralreferent in St. Barbara, Matthias Metzmacher, Pfarrer Klinik Lahnhöhe Lahnstein und Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Nassau und Delmy und Fabian aus El Salvador wollten zum Thema Stellung nehmen. „Was bedeutet Heimat für mich? Kann Kirche Heimat für mich sein? Ist die Kirche als Heimat für mich fremd geworden?“

Heimat wurde von den auf dem Podium Versammelten mit vielen Wörtern umschrieben. Heimat ist die Ursprungsfamilie, das Vertrauen, nicht unbedingt ein Ort, sondern eher ein Gefühl, die gelebten Werte, der Glaube und das Wohlfühlen in der Gemeinschaft. Der Redebeitrag von den jungen Menschen aus El Salvador unterschied sich hier, es wurde der Begriff Heimat verbunden mit Sicherheit, Zufriedenheit, Vertrauen und ruhige Umgebung. Alles das, was jetzt Lahnstein gibt und nicht das Ursprungsland.

Die auf dem Podium vertretenen Personen hatten alle einen christlichen Hintergrund und auch eine christlich geprägte Jugend mit Gottesdienstbesuchen, mit dem Erleben der christlichen Gemeinschaft mit gleichen Bedingungen, ob evangelisch oder katholisch beeinflusst. Das Vertrauen in Gott gibt die Bindung in der Gemeinschaft, die wie der Moderator dazu provozierend bemerkte, auch anderswo möglich sein kann. Gemeinschaft gibt es auch in Vereinen und sonstigen Gruppierungen.

Hier bemerkten Delmy und Fabian, dass Kirche überall gleich sei. Sie kennen die Gottesdienste, die in ihrer Heimat gefeiert wurden und sie kommen in Lahnstein in die Kirchen und die Abläufe, Gebete, Glocken sind gleich, eben nur die andere Sprache ist das Unterscheidende.

In dem Film zu Anfang äußerten sich einige Befragten dazu, dass die Kirche als Heimat fremd geworden ist. Ein Beispiel, dass Kirche neue Heimat sein kann, bestätigte ein junger Mann aus Afghanistan, der als Asylbewerber auch in Lahnstein lebte und mit der katholischen Gemeinde in Kontakt getreten ist. Als erstes hat er den Kölner Dom gesehen und war beeindruckt von dem Gotteshaus und ist dann mit den richtigen Menschen in der Kirchengemeinde zusammengetroffen. Es hätte auch durchaus ein evangelischer Pfarrer gewesen sein können, aber Christ sollte er sein. Er wurde nach eigenem Bekunden sehr liebevoll aufgenommen und unterstützt und das sei ja auch Heimat.

Auf die Frage, wie man Menschen, die in der Kirche keine Heimat sehen, zurückholen kann, gab es auch an diesem Abend nicht so die rechte Antwort. „Wo Menschen zusammenkommen, gibt es Konflikte“, erwähnte der Moderator in diesem Zusammenhang. Wie soll Kirche sich verhalten, wenn es um die große Politik geht, z.B. jetzt gerade mit der Klimadiskussion. Die Fragen konnten in der Kürze der Zeit leider nicht  geklärt werden. Vielleicht wäre dies ein Thema für einen weiteren Abend.

Zum Abschluss an diese abwechslungsreiche und sehr interessante Diskussion gab es für die Akteure und Zuhörer die Gelegenheit beim Lahnsteiner Traditionsgericht „Deppedotz“ und einem guten Gläschen Wein miteinander ins Gespräch zu kommen.

Bärbel Scheele

© Lothar Scheele
© Lothar Scheele
© Lothar Scheele
© Lothar Scheele